Verbrenner verkaufen, E-Auto kaufen?
Neulich unter Nachbarn: Das große Hauptauto ist ein Verbrenner, erst Anfang des Jahres neu gekauft. Einen kleinen Stromer fährt die Familie schon als Zweitwagen. Jetzt steht ein Transport an, der mit einem E-Auto super ginge – wenn es nur groß genug wäre. Also der „böse“ Gedanke: das Hauptauto schon nach einem Jahr verkaufen und durch ein größeres E-Auto ersetzen? Wir haben nachgerechnet. Mit Reglern, damit du deine Zahlen einsetzen kannst.
1Die Rechnung: was wirklich zählt
Der häufigste Denkfehler: „Ich habe den Verbrenner doch gerade erst gekauft, den Verlust realisiere ich ja erst beim Verkaufen.“ Der Wertverlust ist aber schon passiert – egal, ob du verkaufst oder nicht. Für die Entscheidung zählt nur, was ab heute auf dich zukommt. Das sind je Auto vier Posten:
- Wertverlust: Wert heute minus Wert am Ende des Zeitraums. Beim Verbrenner startet er beim Verkaufserlös, den du heute bekommen könntest, beim E-Auto beim Kaufpreis.
- Kapitalkosten: Das gebundene Geld hätte auch woanders Zinsen gebracht (oder du zahlst Kreditzinsen). Der Regler „Kapitalkosten“ bildet das ab.
- Energie: Sprit gegen Strom, jeweils mit jährlicher Preisentwicklung.
- Steuer, Wartung, Versicherung: Die Unterschiede zwischen den Autos.
Dazu kommen einmalige Wechselkosten: der Abschlag zwischen Wunschpreis und dem, was du tatsächlich bekommst, Zulassung, Überführung und die Zeit, die der Verkauf kostet. Die Differenz aus beiden Rechnungen ist das Ergebnis.
🎛️ Setz deine Zahlen ein
Alles rechnet sofort neu – Kennzahlen, Diagramm und Tabelle. Die Startwerte sind Beispiele.
2Was kommt nach 1, 3, 5 und 7 Jahren heraus?
Die Kurve zeigt die kumulierten Mehrkosten des Wechsels gegenüber dem Behalten – inklusive Wertverlust, Kapitalkosten und Betriebskosten. Liegt sie über der Nulllinie, ist der Wechsel teurer, darunter bringt er unterm Strich eine Ersparnis.
3Ab welcher Fahrleistung kippt es?
4Was die Zahlen nicht zeigen
- Schon ein E-Auto im Haus? Dann fährt das kleine Auto die Alltagsstrecken, und das Hauptauto kommt nur noch auf Urlaub, Transport und lange Strecken – also auf deutlich weniger Kilometer. Genau die sind der stärkste Hebel: Weniger Kilometer heißt weniger Sprit, den ein zweites E-Auto ersetzen könnte. Dafür entfällt eine Wallbox-Anschaffung, und Wartung und Steuer des Hauptautos laufen weiter. Probier die Schnellauswahl „Zweitwagen ist schon elektrisch“ und stell die Kilometer auf deinen echten Wert (Tacho oder Service-Heft).
- Der eigentliche Bedarf. Geht es um ein paar Transporte im Jahr, ist Mieten oft die günstigste Lösung (siehe oben). Ein Auto kaufen, um einige Fahrten zu ersetzen, ist die teuerste Variante.
- Zuladung, Anhängelast und Reichweite. Elektroautos haben häufig andere Grenzen als vergleichbare Verbrenner, vor allem mit Anhänger oder schwerer Last. Die Datenblätter genau lesen.
- Laden. Wer zu Hause (oder mit eigener Solaranlage) lädt, rechnet mit ganz anderen Strompreisen als jemand, der unterwegs lädt. Der Regler „Strompreis“ ist deshalb der zweitwichtigste nach der Fahrleistung.
- Gebrauchtes E-Auto. Ein ein paar Jahre alter großer Stromer hat den größten Wertverlust schon hinter sich. Dann sinken Kapitalbedarf und Wertverlust – probier es mit dem Kaufpreis-Regler.
- Steuern und Förderung. Dienstwagenregeln, Förderprogramme und Steuerbefreiungen ändern sich. Prüfe den aktuellen Stand, bevor du entscheidest.
- Unsicherheit. Restwerte in fünf Jahren sind Schätzungen. Teste die Regler mit schlechteren und besseren Annahmen und schau, ob dein Ergebnis kippt.
5Wie du echte Zahlen bekommst
Die Betriebskosten sind der Teil, den du am besten selbst messen kannst. Mit einem E-Auto lohnt es sich, den Ladestrom getrennt zu erfassen: Wer einen Wallbox-Zähler in ablesio führt, sieht die tatsächlichen Ladekosten getrennt vom restlichen Stromverbrauch (der Zähler-Typ „Wallbox“ gehört zu ablesio Ultimate), und mit Photovoltaik wird sichtbar, wie viel Sonnenstrom im Auto landet. Das ersetzt die Schätzwerte der Regler oben durch deine eigenen Messwerte. Wie das aussieht, zeigt unser Beitrag „Sonne im Tank“ an einer echten Anlage.
Beispielrechnung mit frei wählbaren Annahmen, keine Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung und keine Prognose. Die Voreinstellungen sind weder Markt- noch Durchschnittswerte. Spritpreise: ADAC, Stand 22.09.2026 (E10 2,27 €/l, Diesel 2,43 €/l). Gerechnet wird mit konstanten Prozentsätzen je Jahr, ohne Inflation, Förderungen oder Sonderkosten (Reifen, Akku, Wallbox-Installation – außer über „Wechselkosten“).